There's always an alternative
Freitag, den 07. Januar 2011 um 12:33 Uhr
.. diese rührige „Stammbuchwidmung für Margaret Thatcher und alle Neoliberalen und Sozialdarwinisten [sic!]“ findet sich gleich zu Beginn der "Gemeinwohl-Ökonomie" - Das alternative Wirtschaftsmodell von Christian Felber, Mitbegründer von ATTAC Österreich.
Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Kooperation, Respekt, Empathie, Aufeinander eingehen,… sind Werte, die wahrscheinlich jedeR universell für das Gelingen zwischenmenschlicher Beziehungen als essenziell erachtet. (Außer vielleicht Jean-Baptiste Grenouille und einige wenige :) Egoismus, Neid, Rücksichtslosigkeit, Konkurrenz, Gier, Verantwortungslosigkeit und "geiler Geiz" lassen uns im Gegensatz dazu in der „freien“ Marktwirtschaft „glänzen“. Wir leben dieses Paradoxon, Tag für Tag. Was erzählen wir also unseren Kindern, wonach sie sich richten sollen?
DAS STREBEN NACH DEM GEMEINWOHL als Ziel des Unternehmens
Die Gemeinwohl-Ökonomie zielt grundsätzlich auf einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft ab. Bisher war „Erfolg“ definiert über den Finanzgewinn eines Unternehmens, was aber nicht darüber aufklärt, inwieweit dieses Unternehmen der Gesellschaft Nutzen bringt, ob es die gesamtgesellschaftliche Lebensqualität erhöht, den Wohlstand mehrt oder mehr Bedürfnisse befriedigt. Das alles KANN zutreffen – oder auch das Gegenteil davon. Die Gemeinwohl-Ökonomie sieht vor, diese wesentlichen Maßstäbe endlich direkt zu messen, auch weil Wirtschaft an sich ja keinesfalls Selbstzweck sein kann, sondern als Instrument zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen dient. Vorarbeit wurde bereits geleistet, denn zahlreiche Unternehmen, v.a. auch transnationale Konzerne, haben aufgrund der immer lauter werdenden, zivilgesellschaftlichen Kritik Corporate Social Responsibilities (CSR) ausgearbeitet. Diese selbst auferlegten Richtlinien lesen sich oft äußerst viel versprechend. Man ist versucht auf Nestlé als die Retterin der Welt zu hoffen. Diese „Kriterien“ oder eher „fromme Vorsätze“ werden aber spätestens dann geopfert, wenn die Erhöhung des Finanzgewinns des Unternehmens gefährdet ist. Was aber, wenn das Hauptaugenmerk eines Unternehmen auf klar nach dem Gemeinwohl definierten Maßstäben liegt und nicht auf finanziellen Gewinn um seiner selbst? Was, wenn nicht jene Unternehmen rechtlich und steuerlich belohnt werden, die besonders hohe, finanzielle Gewinne einfahren, sondern jene, die besonders zu gesamtgesellschaftlichen Interessen, dem Gemeinwohl, beitragen? Was wünscht sich also die Gesellschaft von Unternehmen? Die Antworten darauf dürften nicht sonderlich überraschen: Transparenz, soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit, demokratische Mitbestimmung, Solidarität gegenüber sämtlichen Stakeholdern u.a.
Rechtliche und steuerliche Vorteile sinnvoll einsetzen
Felber schlägt vor, an Unternehmen für die Erfüllung bestimmter Kriterien Gemeinwohlpunkte zu vergeben, die wiederum rechtliche und steuerliche Vorteile für die jeweiligen Unternehmen nach sich ziehen wie niedrigerer Mehrwertsteuersatz, günstigere Kredite bei demokratischen Banken,… Einige der vorgeschlagenen Kriterien seien hier kurz erwähnt: Verwendung von biologischen Vorprodukten aus der Region bzw. FairTrade, Einhaltung einer maximalen Einkommensspreizung von 1:20 (Neben der ungleichen Vermögensverteilung in Österreich (1% der Bevölkerung besitzt etwa 1/3 des Vermögens) fällt auch die Einkommensungleichheit mit einem Verhältnis von 1:600 auf, was bedeutet, dass Löhne tw. den nationalen Mindestlohn um das 600-fache überschreiten. In Deutschland liegen Gagen bei der stattlichen Zahl von 35.000 und in den USA wird gar das 350.000-fache des Mindestlohns an einige wenige bezahlt.), Offenlegung der Kalkulationen, Angleichung der Einkommen von Männern und Frauen, Verzicht auf mediale Werbung, Finanzierung von Weiterbildung der Beschäftigten, Wissenstransfer und Kooperation mit Mitunternehmen,… Damit werden Betriebe angehalten, zugunsten des Gemeinwohls zu produzieren und verstärkt für ihren Einsatz belohnt.
Nicht mehr die Qual der Wahl
Um die Transparenz auch für die KonsumentInnen zu erhöhen, sollen Produkte dementsprechend eindeutig, ähnlich eines Ampelsystems, gekennzeichnet werden. Durch die rechtlichen und steuerlichen Vorteile würden nun beispielsweise regionale oder sozial/ökologisch verträgliche Produkte nicht wie aktuell teurer sein. Endlich würden u.a. externe Kosten wie Umweltverschmutzung, soziale Ungerechtigkeit,… internalisiert und damit im Preis des Endprodukts sichtbar. Auf diese Weise erhielten KonsumentInnen erstmals eine wirkliche Möglichkeit, sich für nachhaltig und zukunftsfähig hergestellte Produkten zu entscheiden, denn die gegenwärtige Preissituation verfälscht diese Wahl. Der Griff zum nachhaltigeren Produkt ist für einen großen Teil der Bevölkerung, u.a. auch für die Mehrheit der Studierenden, einfach aufgrund ihrer oft prekären finanziellen Situation nur begrenzt möglich.

„Sei kein Hamster!“
Die aktuelle Krise birgt in sich auch die Chance, kritischen Stimmen mehr Gehör zu verschaffen. Grenzen werden überdacht, Demokratiedefizite aufgezeigt, Alternativen gefordert und obwohl immer wieder betont wird, „schön weiter strampeln im Hamsterrad“, denn „there is no alternative“, dürfen wir nicht übersehen: Es gibt sie diese Alternativen. In Österreich haben 130 Unternehmen die Gemeinwohl-Ökonomie in „ihren“ Betrieben verwirklicht. „There is always an alternative“. Christian Felber, Gemeinwohl-Ökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft, Wien 2010.

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