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Diskriminierung durch Sprache?

99 Staatsbürgerinnen und ein Staatsbürger sind auf Deutsch 100 Staatsbürger. Die 99 Bürgerinnen können zusehen, wo sie bleiben; sie sind nicht der Rede wert.“ Luise F. Pusch

Jede nur einen Gender / ein Geschlecht forcierende Sprache muss als diskriminierend eingestuft werden, da sie das Vorhandensein von Frauen und Transsexuellen außer Acht lässt. Obwohl Gesetze und Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs vorhanden sind, haben diese kaum zu einer Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse geführt. Mitunter wird die Notwendigkeit einer Angleichung nicht gesehen bzw. belächelt und sprachlich sensible Menschen ernten all zu oft Spott für ihre Bemühungen.

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Warum überhaupt all die Bestrebungen?

Sprache steuert die Wahrnehmung des Menschen. Sie lässt Bilder in unserem Gehirn entstehen und beeinflusst somit direkt unser Handeln. Selbst bei Menschen deren Geschlecht wir nicht kennen, wird automatisch von einem „er“ ausgegangen, „was macht denn der Wahnsinnige da vorn im Auto“. Führt also eine Benachteiligung in Wort und Schrift zu einer „realen“ Benachteiligung. Ja, genau dazu führt sie! Eine interessante Studie der Universität Mannheim, durchgeführt von Dagmar Stahlberg und Sabine Sczesny, hat sich genau mit dieser Thematik auseinander gesetzt. Studierenden wurden Fragebögen in drei unterschiedlichen Sprachversionen vorgelegt. Während in Version eins z.B nach dem beliebtesten Politiker gefragt wurde (generisches Maskulinum) , erkundigten sie sich in der zweiten Version nach dem beliebtesten in der Politik tätigen Menschen (geschlechtsneutrale Formulierung). In Version drei wurde nach dem beliebtesten Politiker, der beliebtesten Politikerin gefragt (Doppelnennung der männlichen und weiblichen Form). Dabei hat sich gezeigt, dass die befragten Personen vermehrt weibliche PolitikerInnen nannten, wenn die geschlechtsneutrale und die beide Geschlechter umfassende Form verwendet wurden. Damit scheint bewiesen, dass die Assoziation mit männlichen oder weiblichen Personen von der jeweils verwendeten Sprachform beeinflusst wird. Eine Gleichstellung unterschiedlicher Gender kann nur unter Einbeziehung der Sprache geschehen, oder anders formuliert, Gleichberechtigung beginnt mit der Sprache!

Anwendung gendergerechter Sprache

Es gibt unterschiedliche Formen gendergerechter Sprache, wobei angemerkt sei, dass nicht alle Formen in jeder Situation gleich viel Sinn ergeben.

Zu den geläufigsten Formen zählen sicher die Doppelnennung, das Binnen-I, Schrägstriche, der Unterstrich (auch „Gender-Gap“ genannt), sowie die Verwendung von Klammern.

  • Doppelnennung: Studenten und Studentinnen
  • Das Binnen I: StudentInnen
  • Schrägstrich: Student/in
  • Unterstrich: Student_innen
  • Klammern: Student(in)

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit neutraler Formulierungen: Studierende

Entscheidend ist jedoch nicht eine grammatikalisch korrekte Verwendung, vielmehr geht es um die Verbannung von Diskriminierung und Sexismus aus unserem täglichen Sprachgebrauch, sodass diese Barrieren Stück für Stück aus unseren Köpfen verschwinden. Es ist Zeit Rechte einzufordern, alternative Sprachformen dürfen nicht länger als alternativ wahrgenommen werden, sie sollten eine Selbstverständlichkeit sein!

 

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