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Offener Brief: Lehramtsstudierende – Die nützlichen „IdiotInnen“?

Liebe Studierende, liebe Lehrende, liebe Universität,

Lehramtsstudierende stellen an der Universität Salzburg mit knapp 4000 etwa ein Viertel der Studierenden. An den Fachbereichen, an denen Lehramt unterrichtet wird, sind häufig mehr als die Hälfte der KursteilnehmerInnen Lehramtsstudierende. Die Inhalte sind trotzdem meist zu hundert Prozent am Bachelor- oder Masterstudienplan (früher Diplom) orientiert, und noch öfter an den Wünschen der Lehrenden. Diese Wünsche mögen vielfältig sein. Sie reichen womöglich über das Interesse am südamerikanischen Quechua hin zu mittelhochdeutscher Prosa über Ameisenkampfstrategien und Tagebucheintragungen von Hitlers Sekretärin, nur die Erarbeitung des "WIE diese Inhalte im Schulunterricht aufbereitet werden könnten", ist sehr (sehr sehr sehr) selten ein Teil dieser Wünsche.

Lehramtsstudierende, zwei Drittel davon sind Frauen, sind die nützlichen „IdiotInnen“, die es aufgrund ihrer Anzahl den Lehrenden der Universität „ermöglichen“, ihre Forschungsinhalte zu unterrichten, ohne aber explizit auf die Bedürfnisse der Lehramtsstudierenden Rücksicht nehmen zu müssen. Die Gründe dafür mögen vielschichtig sein, und reichen von narzisstischen Lehrenden, über eine lethargisch-passive Haltung, einem "Erleiden" der Studierenden, hin zu strukturellen Ungerechtigkeiten.

Die überfüllten Curricula der Lehramtsstudierende machen es zudem „notwendig“, dass sie, sehr oft für das gleiche Arbeitspensum weniger ECTS-Punkte bekommen. Die Wertschätzung gegenüber Studierenden, die „nur“ Lehramt inskribieren, ist an der Uni wie in unserer Gesellschaft, trotzdem nach wie vor gering (einzelne Ausnahmen teilweise sogar Fachbereiche natürlich ausgeschlossen). Finnische Verhältnisse, wo der Lehrberuf einer der am höchsten angesehenen in der Gesellschaft ist, wären wünschenswert, sind aber in weiter Ferne.

Gerade jetzt, wo durch die Demonstrationen der letzten Jahre eine Diskussion um die Bildung angestoßen wurde, auch darüber, WIE und vor allem WO die angehenden LehrerInnen (aus-)gebildet werden, ist es an der Zeit, dass sich auch die Lehramtsstudierenden stärker emanzipieren, sich ihrer Wichtigkeit in der Gesellschaft bewusst werden und selbstbewusster auf die Erfüllung ihrer Bedürfnisse an der Universität pochen.

Zusätzlich sind aber auch die Lehrenden gefordert, ihren Unterricht an den Bedürfnissen ihrer TeilnehmerInnen auszurichten und nicht zuletzt die Universitätsleitung, die es verabsäumt hat, faire Voraussetzungen für Lehramtsstudierende zu schaffen und die Diskussion um die LehrerInnen(aus-)bildung zu dominieren. Über Jahre hinweg wurden die Curricula von Lehramtsstudierenden voll gestopft, was jetzt durch das Punktesystem, so unausgefeilt die Umsetzung auch sein mag, zumindest auffällt. Für die gleichen Seminare und das gleiche Arbeitspensum bekommen Lehramtsstudierende statt etwa sechs oder sieben nur drei, vier oder fünf Punkte. Die Beispiele sind traurig... und traurig zahlreich.

Es reicht! Die GRAS setzt sich ein für eine faire und transparente Vergabe von ECTS-Punkten, studierbare Studien statt vollgestopfter Curricula und eine Aufwertung von Lehramt an der Universität Salzburg!

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